Bücher, die ein Leben umfassen

Dieser Eintrag könnte auch unter der Kategorie „Absolute Lieblingsbücher“ laufen. Ich habe eine Vorliebe für Geschichten, die nicht nur ein paar Tage oder Wochen, sondern ein ganzes Leben umspannen – die wie ein Adler über einem Leben kreisen und nur hin und wieder ein Detail fokussieren. Die sich eben auch nicht an den Alltäglichkeiten abarbeiten, sondern nur die magischen Momente in den Blick nehmen.
Sicherlich ist Virginia Woolf mit The Waves ein solches Buch gelungen. Es geht um sechs Menschen, sechs Leben, die miteinander verwoben sind. Sie lieben sich, sie hassen sich, sie bewundern und verachten sich. Virginia Woolf lässt die Gedanken der sechs Menschen in einer Art vielstimmigen stream of consciousness parallel nebeneinander laufen. Einmal beklagt sich Louis über sein Außenseitertum, ein anderes Mal beschreibt Jinny, wie sie sich beim Anblick ihres Spiegelbildes fühlt, dann wieder reißt Rhoda das Wort an sich und schildert ihren inneren Schmerz. Es ist, als ob man in einem isolierten Raum vor diesen Menschen säße und mit allen gleichzeitig eine Gruppentherapie führen würde – nur dass sie einander nicht sehen, nicht miteinander reden können. Vielleicht ist es dieser Mangel an zwischenmenschlicher Kommunikation, die die sechs Personen immer weiter auseinandertreibt.

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Übrigens gibt es auch einige Autobiographien, die auf sehr gelungene Art ein Leben umkreisen – genannt seien hier Janet Frames An Autobiography und Patti Smiths Just Kids.

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