Subterranean Winter Blues

Vieles verkommt immer mehr zu einer Parodie seiner selbst. Ich schaue das Buchreport-Magazin durch und sehe Cover von Frauenromanen, die ihre Titel in einem verschnörkelten Schminkspiegel-Rahmen präsentieren, das Ganze noch von kitschigen Rosen umgeben. Ich höre mir neue Musik an und schon schallt mir die nächste Band entgegen, die Mumford&Sons hinterherklampft. Ich sehe nach draußen, und selbst der Winter scheint sich selbst zu parodieren, so eisig und schneeig er sich zurzeit gibt. Überall sieht man glückliche Gesichter, die diese Romane in der U-Bahn lesen, sich im Takt der Musik wiegen oder im Schnee spielen, aber irgendwie mag man ihnen ihre Freude nicht ganz abnehmen.
Vielleicht hat man auch einfach schon zu viel von allem gesehen und gehört. Ein Händler im Mittelalter, der nach Wochen in der Einöde mal wieder in eine Stadt gekommen ist, konnte sich wohl noch über den miesesten Straßensänger freuen.
Bleibt wohl nichts anderes, als sich zu vergraben und die alten Klassiker zu hören und zu lesen – und vielleicht zwischendurch ein Auge ein klein wenig zu öffnen, falls doch noch etwas vielversprechendes Neues vorbeiziehen sollte.

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Veröffentlicht in Leben

Ein Gedanke zu “Subterranean Winter Blues

  1. Das Dilemma zwischen Öffnen und Verschließen zwischen Aufnehmen und Verwerfen verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Ziellos zu gehen wäre eine Freiheit die auch in die Unfreiheit führen könnte während uns führen zu lassen die größtmögliche Unfreiheit in unserer Freiheit wäre. Was also tun ? Nur den Kopf schütteln ? Oder unsere Freiheit nicht gegen aber neben andere Freiheiten setzen und Mahnmale setzen ? Unausgesetzt widerstreben oder die Kakophonie kakophonisch bereichern oder durch Rückzug entreichern oder aus dem teilweise abgelehnten Reichtum die Ernte teilweise einfahren und die Ernte teilweise ausfahren und ohne auf Veränderungen zu hoffen zu Veränderungen beitragen weil wir hoffnungslos doch nicht sein können oder nicht sein wollen auch wenn vielleicht wenig Aussicht besteht weil wir eine Aussicht haben wollen und Aussicht auch ein Hinaussehen ist.

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