Über die Verhältnismäßigkeit der Dinge, oder: Wie mich mein Unterbewusstsein besch***t

In den letzten beiden Monaten habe ich mich, obwohl noch einige Monate Zeit sind, intensiv mit meiner Masterarbeit beschäftigt. Ich war eine der ersten, die ein Thema hatten, und betete anderen genüsslich dasselbe samt Gliederung vor.
Gestern, aus buchstäblich heiterem Himmel, dann eine ernüchternde Nachricht per Mail: Ich hatte vergessen, meine Masterarbeit anzumelden. Morgen würde es wahrscheinlich schon zu spät sein, wichtige Unterschriften von unheimlich wichtigen Leuten fehlten.
Mehrere Gedanken gingen mir durch den Kopf: Ich hatte geahnt, dass so etwas Ähnliches passieren würde. Wie soll man bei der Fülle an Deadlines auch den Überblick behalten? Andererseits hatte ich mir in den letzten Wochen, wie immer, unglaublich professionelle To-Do-Listen gemacht. Wahrscheinlich war das Studium durch meine anderen Interessen (Fliegen zähmen, To-Do-Listen machen) in den Hintergrund gerückt. Typisch, dass meine Lust daran wieder etwas nachließ. Ich war wahrscheinlich mehr Hedonistin, als ich mir eingestehen wollte. Ich tat immer nur so, als wäre ich keine, weil ich in München wohnte, eine Stadt, in der niemand Fehler macht und jeder drei Jobs hat. Typisch, würden auch meine Eltern sagen, und von diesem Ausrutscher wieder alles andere abhängig machen. Aber wer weiß, vielleicht war das ja tatsächlich die Sache, die mein Leben auf ein anderes Gleis umlenken sollte, auf ein kaputtes, überwuchertes, das irgendwann unter der Brücke endete…
Und dann, auf einmal, breitete sich unterhalb dieser Gedanken ein warmes Gefühl aus. Vielleicht lag es an dem rosa schimmernden Eis, das ich gerade in mich hineinstopfte, aber ich begriff, dass es egal war. Dass es mir sogar gefiel. Dass es sogar komischerweise mit meinem ursprünglichen Plan, ein Semester dranzuhängen, übereinstimmte. Hatte da jemand in mir etwas ohne mein autoritäres Großhirn geplant? Ich würde dieses Semester mehr interessante Kurse machen können, anstatt an meiner Arbeit zu sitzen. Ich würde vielleicht mehr schreiben können. Diese Gefühl, dass ich irgendetwas zu Ende machen musste, war plötzlich weg. Zumindest heute war ich damit zufrieden, nicht von der Stelle zu kommen. Und mein Unterbewusstsein den Rest erledigen zu lassen.

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2 Gedanken zu “Über die Verhältnismäßigkeit der Dinge, oder: Wie mich mein Unterbewusstsein besch***t

  1. Gut, dass du es so positiv siehst! Bloß nicht stressen lassen. Am Ende interessiert es niemanden, ob du ein halbes Jahr dran gehängt hast oder nicht! Viel Erfolg bei der Masterarbeit und genieß dein letztes Semester 🙂

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