Evelyn Waugh’s Brideshead

Nicht nur der Roman selbst, sondern auch die Verfilmung mit Jeremy Irons ist brilliant: Brideshead Revisited ist ein später Klassiker der englischen Literaturgeschichte. Wenn die Engländer den Namen „Sebastian“ hören, denken sie sofort an die tragische Figur aus Waughs Roman. Ein junger Mann, der viele Gegensätze in sich vereint: Er bewegt sich in den illustren Kreisen Oxfords, hat jedoch ständig seinen Teddybär „Aloysius“ dabei. Er zecht munter ganze Nächte durch, wird aber dazwischen immer wieder von einer mysteriösen Gottesfurcht gepackt. Sebastian Flyte ist der Typus eines Mannes, der unbewusst in seiner Kindheit stecken geblieben ist. Er ist einer der Charaktere im Roman, denen etwas zu fehlen scheint, die, mit Waugh’s Worten, nur „half a man“ sind.
Nur Charles Ryder, die Hauptfigur, scheint ein „ganzer Kerl“ zu sein; er lässt sich von Sebastian nicht mit in den Abgrund ziehen, als dieser dem Alkohol verfällt, beendet sein Studium in Oxford und beginnt eine Karriere als Landschaftsmaler.

I have left behind illusion […] Henceforth I live in a world of three dimensions – with the aid of my five senses.

Dennoch scheint auch ihn immer etwas Düsteres zu umgeben, und man denkt sich die ganze zweite Hälfte des Romans über – als er mit Julia Flyte anbandelt – , dass er seine große Liebe eigentlich bereits gefunden und wieder verloren hat: Sebastian. Nichts kann die Intimität ihrer Gespräche nach einer durchwachten Nacht, ihrer Ausflüge aufs Land, zum Anwesen der Flytes, ersetzen. Die Beziehung zu Sebastians Schwester Julia wirkt dagegen ein wenig leidenschaftslos, mehr wie eine Beziehung zwischen guten Freunden – obwohl Charles einmal meint, dass sie für ihn Sebastian in weiblicher Form verkörpere. Charles‘ Leben wird nach der Trennung von Sebastian ruhiger, ausgeglichener – doch zugleich scheint ihm nun auch etwas zu fehlen, so dass er fortan auch als „half a man“ durchs Leben gehen muss.
Der durch und durch englische Charakter dieser Geschichte – die Handlung spielt überwiegend in Oxford und auf englischen Landsitzen – sowie die subtile Liebesgeschichte zwischen Charles und Sebastian machen Roman und Film auf jeden Fall zu einem echten Genuss.

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