Die Tücken der chinesischen Sprichwörter

Viele kennen das surrealistische Bild der „Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Seziertisch“. Doch wie ist es zu interpretieren, wenn ein Mönch mit einem löchrigen Regenschirm in der Hand dasteht? Dieses fast ebenso surreale Bild findet sich in der chinesischen Kulturtradition. Die vollständige Version lautet: „Mönch mit einem löchrigen Regenschirm – hat weder Haar noch Himmel.“ Es ist eins der chinesischen Tetragramme, die mit nur acht Zeichen viel aussagen. Denn der Mönch ist nicht etwa arm dran, wie man denken könnte – im Gegenteil, das Zeichen für „Haar“ steht eigentlich symbolisch für das in der Aussprache gleichlautende Zeichen „Gesetz“. Der Mönch hat also weder „Gesetz“ noch einen „Himmel“, also eine Macht, über sich – er ist der Allmächtige.
Ein Wortspiel, das im Deutschen kaum nachzuahmen ist – und selbst für einige Chinesen unverständlich bleibt. Als Mao sich nämlich einmal als ein solcher Mönch bezeichnete, nahm das der Journalist prompt für bare Münze, weil er den eigentlichen Sinn des Sprichworts nicht kannte – und sorgte damit wohl bei den Lesern für einige Lacher.

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