A New Wave?

„Erinnert ihr euch noch an 2005? Wie ihr damals in die Indie-Klubs getanzt habt?“ So beginnen viele wehmütige Artikel über die Britrock-/Indie-Welle der Nullerjahre. Tatsächlich scheinen sich aber nur wenige an diesen Rausch erinnern zu können – entweder war man zu jung, hat das Ganze irgendwie verpasst oder man hatte sowieso nie was übrig fürs Tanzen.
Zumindest letzteres ist jetzt keine Entschuldigung mehr dafür, die neuen Bands der 2010er nicht zu kennen. Die sind zwar immer noch tanzbar, allerdings dauert es deutlich länger, bis das, was die Ohren aufgenommen haben, in den Beinen angekommen ist. Das Stürmische macht einer Art Abgeklärtheit, Zurückhaltung, Düsternis Platz. Als Referenzen fallen einem nicht mehr nur die Smiths, die Kinks oder New Order ein, sondern auch Velvet Underground, My Bloody Valentine, Sonic Youth oder Television – also Bands, die auf viel Gitarrengeschwurbel und komplexe Songstrukturen setzen.

The Twilight Sad zum Beispiel bezeichnen ihre Musik als „folk with layers of noise“. Mit dem klassischen Indie-Rock verschwindet auch die klassische Bandkonstellation: Die Band erscheint auf Pressefotos nicht uniform, eher wie drei Eigenbrötler, die ein gemeinsames Projekt haben – „we’re not a lads band, like Oasis or something“, sagen sie. Ein Markenzeichen der Band ist neben dem epischen Sound der schottische Akzent, in dem James Graham singt:

 

Das zweite Album von den Traams ist gerade ganz frisch rausgekommen und klingt, als hätten The Rifles mal einen nachdenklichen Tag gehabt und sich ins Studio gesetzt. Und elf Songs geschrieben, die zwischen wütenden Tiraden und hoffnungsvollen Ausblicken auf sonnigere Tage schwanken:

 

Eine ganz neue Entdeckung ist die Band Viet Cong, bei denen man am stärksten das Erbe von Interpol heraushört. Selbst die Stimme von Matthew Flegel klingt so ähnlich wie die von Paul Banks. Wo es aber bei Interpol den ein oder anderen Sonnenstrahl gab, der das Gemüt ein wenig erwärmte, scheint hier die Finsternis zu regieren:

 

In dieselbe oder ähnliche Kerben schlagen übrigens auch I Like Trains oder We Were Promised Jetpacks. Sind diese neuen Postpunk-Bands für die 2010er, was Franz Ferdinand, Maximo Park und Co. für die 2000er waren? Indie-Rock ist tot. Es lebe der Indie-Rock!

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