Das Schlusslicht #1

Gestern endlich den Film über die Beach Boys und Brian Wilson gesehen. Wilsons gibt es in der Popmusik ja viele – etwa Jonathan Wilson, den Jingle-Jangle-Gitarristen, oder Steven Wilson, das Mastermind von Porcupine Tree. Genauso gibt es wohl unzählige „God Only Knows“’s, bei denen man nur an das Original von den Beach Boys denken kann – zum Beispiel von der relativ neuen Band „The Slow Show“. Nur heißt es statt „Gott weiß, was ich ohne dich anfangen würde“ jetzt „Gott weiß, was ich mit dir anfangen soll“. So ändern sich die Zeiten.

„God Only Knows“ (also das von den Beach Boys) wurde übrigens auch als Titelmelodie der von Tom Hanks mitproduzierten HBO-Serie „Big Love“ eingesetzt, in der es um eine Mormonenfamilie geht, die im Mittleren Westen der USA lebt. Der von Bill Paxton gespielte Patriarch Bill nennt in dieser Serie gleich drei Frauen sein Eigen, mit denen er, ja nachdem, was auf dem Haushaltsplan steht, abwechselnd ins Bett steigt. Der Haken an der Sache ist, dass er auch für drei Frauen (inkl. Kinder) schuften muss. Zwischen der Arbeit in der Firma und der Arbeit im Bett hat der arme Mann vielleicht eine Stunde Freizeit am Tag – die dann aber oftmals von den Mafia-Tätigkeiten seines Mormonen-Clans okkupiert wird. Eigentlich bräuchte er auch einen Therapeuten, so wie Tony Soprano.

In der nächsten Zeit werde ich mir wohl noch mehr Serien und Filme anschauen, die das amerikanische Gefühl zelebrieren (also nicht das kühle, fast altkontinentale New York-Gefühl, auch nicht das Sonne-aus-dem-Arsch-Kalifornien-Gefühl, sondern das Gefühl, bei dem einem die ganze Weite des Landes ins Visier knallt). Anbieten würden sich The End of the Tour“ über einen Roadtrip mit David Foster Wallace oder der Klassiker „Out of Rosenheim“, in dem eine Bayerin in der Wüste strandet.


Die „Das Schlusslicht“ soll eine regelmäßige (pop)kulturelle Kolumne im laemmchenblog werden. Denn neulich ist mir aufgefallen, dass es inspirierend sein kann, wenn man einfach nur (vorzugsweise ganz hinten) im Bus sitzt, Menschen ein- und aussteigen, Schlagzeilen und Plakate vorbeifliegen und Gedankenfetzen vorüberziehen sieht. Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen man seine Gedanken nicht zähmt, weil man sich sowieso auf nichts richtig konzentrieren kann. Und weil ich ein typischer „So-ein-bisschen-Mensch“ bin, kommt mir die Kleinform der Kolumne ohnehin sehr entgegen.

 

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Ein Gedanke zu “Das Schlusslicht #1

  1. „Out of Rosenheim“ scheint mir einer derjenigen besonderen Filme zu sein, in dem es nicht nur um bestimmte Unterschiede bestimmter Personen oder Mentalitäten oder Kulturen oder Regionen geht (hier: Bayern – USA) sondern trotz sehr konkreter und geradezu unverwechselbarer Personen (einen Maler im Wohnwagen oder einen Trachtler im Lodenjanker) sonderrn weit darüber hinaus um ein universelles gleichzeitiges Gefühl von Identität und Verlorenheit von Selbstsicherheit und Verlust von Fragwürdigkeit und Beruhigung von Unverständnis und Verständigung, die beide jeweils nicht in der Schwebe sind sondern beide jeweils gleichzeitig vorhanden sind und uns alle gemeinsam vielleicht ausmachen.

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