Das Schlusslicht #7

oder: Meine Serienheldinnen

(Achtung Spoileralarm)

Über Weihnachten bin ich dieses Jahr mal wieder für ein paar Tage „zuhause“ eingezogen und hab mir mit meiner Schwester die grade erschienene Gilmore Girls-Miniserie angesehen (in der Rory Gilmore zufälligerweise auch wieder zuhause einzieht). Es lief also sowohl auf als auch vor dem Fernsehschirm ganz gemütlich-Gilmore-Girls-mäßig, und die neuen Folgen knüpften stimmungsmäßig auch ganz gut an die alten an. Alle bekannten Gesichter tauchten wieder auf, die Dialoge hatten (fast) nichts von ihrer Schlagfertigkeit verloren – nur eines fehlte, etwas ganz Entscheidendes: die lesende Rory, die, versunken in einen guten, dicken Roman, auf der Couch oder in einem Sessel sitzt.

Tatsächlich nimmt sie die ganzen vier Folgen über kein Buch in die Hand. Überhaupt scheint sie sich irgendwie verändert zu haben. Sie hat drei Handys, auf denen sie entweder mit ihrer Affäre, dem (jetzt verlobten) Logan flirtet, ihren quasi unsichtbaren Freund Paul mal wieder vertröstet (falls sie nicht vergisst, ihn anzurufen) oder die Chefin einer Online-Zeitung, bei der sie im Bewerbungsgespräch durchgefallen ist, anschreit. Die neue Rory ist selbstsüchtig, rücksichtslos und scheint irgendwie ihr inneres Zentrum verloren zu haben. Auch als sie aus Frust über ihr Liebes- und Arbeitsleben wieder zuhause einzieht, scheint sie dieses Zentrum nur ganz langsam wieder zu finden. Das Zentrum selbst scheint ein anderes geworden zu sein, weit entfernt von den früheren Idealen: sie beginnt, unentgeltlich für die lokale Zeitung zu arbeiten, wohnt wieder in ihrem alten Kinderzimmer mit der Yale-Flagge… und wird am Ende sogar schwanger!

Gilmore Girls hat Millionen junge Frauen inspiriert, die mit der Serie erwachsen geworden sind und sich nun von der 30-jährigen Rory wahrscheinlich noch einmal eine Inspiration für ihr Leben erhofft hatten, doch welche Inspiration sollen sie nun aus diesen Folgen ziehen? Dass es zu hart ist, für sich selbst zu sorgen, draußen in der Welt? Dass ein geisteswissenschaftliches Studium sowieso zu nichts führt? Dass man stattdessen lieber zuhause bleiben, die übliche Ordnung bestätigen und die Gilmore-Traditionslinie fortsetzen soll? Dass eine Flucht vor der Übermacht der eigenen Familie, Familiengeschichte nicht möglich ist (ein gängiges Motiv in der Serie – auch Logan leidet darunter…)?

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(http://www.literallydarling.com)

The thing is … ich suche irgendwie nach medialen Vorbildern für diesen Lebensabschnitt. Nachdem ich die Uni beendet habe, bin ich definitiv zu alt für „Was würde Rory Gilmore jetzt wohl tun?“ – abgesehen davon, dass sie jetzt als Vorbild nichts mehr taugt.

Aber weil die richtige Haltung immer mit den richtigen Klamotten beginnt, habe ich zumindest hier einige Vorbilder gefunden. Zum Beispiel Chloe Sevigny, die in der HBO-Serie „Big Love“ die Rolle der Nicki spielt:

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(www.elle.it)

Die Art, wie sie die der eigentlich schlichten Mormonenkleidung (in der kein Zentimeter der Haut frei bleiben darf) ihren eigenen Vintage-Touch verleiht, ist einfach großartig. Und nebenbei weiß sie sich auch stets gegen ihre „sister wives“ zu behaupten und bekommt alles, was sie will. Na gut, sie ist wohl ein wenig rücksichtslos… Und Bücher? Fehlanzeige.

Aber wie wär`s mit der hier:

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(www.tracking-board.com)

Das ist Virginia Johnson aus der Serie „Masters of Sex“. Sie hat den 50er-Jahre-Vintage-Look perfektioniert und besitzt eine unglaubliche Garderobe aus engen Bleistiftröcken, eleganten Cocktailkleidern und ellenlangen, seidenen Handschuhen. Und dann wickelt sie auch noch ihren Chef um den Finger und tritt das Sorgerecht für ihre Kinder der Arbeit wegen an ihren Ex-Mann ab. Hmm, etwas zu karrieregeil… Bücher? Nur Psychologiebücher fürs Studium und die Tageszeitung.

Vielleicht lieber was Asiatisches?

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(www.mydramatea.com)

…Fang Shengmei aus der chinesischen Serie „Ode to Joy“ hat mindestens einen genauso vollen Kleiderschrank wie Virginia Johnson. Das klassische chinesisch-zugeknöpfte Qipao-Kleid, der hippieske Kimono, das etwas sachlichere, aber dennoch mit verspielt-romantischen Details versehene Business-Outfit – alles ist vertreten. Und sie sieht sogar noch gut aus, wenn sie heult, weil die Beziehung zu ihrem reichen Freund zerbrochen ist, den sie ja eigentlich bald heiraten wollte, um endlich eine schicke große Wohnung beziehen zu können… halt, viel zu materialistisch. Bücher? Fragt gar nicht erst.

Hmm, eine Heldin, die so tolle Kleidung trägt und auch mal ein Buch in die Hand nimmt, habe ich (bis auf Rory Gilmore R.I.P. und Hannah Horvath – und da lässt sich sowohl über den Kleidungsstil als auch über die künstlerischen Ambitionen streiten) noch nicht gefunden. Wenn jemand einen Vorschlag hat – her damit!

P. S. Ganz abgesehen davon kann ich die erwähnten Serien allesamt empfehlen.

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